Intelligente Technologie trifft kluge Politik

Künstliche Intelligenz ist längst kein Zukunftsthema mehr – über 60 Länder weltweit haben bereits eine nationale KI-Strategie verabschiedet. Doch wie können diese Strategien nachhaltig, inklusiv und verantwortungsvoll gestaltet werden? Genau hier setzt das Africa-Asia AI Policymaker Network an: eine einflussreiche Plattform für Regierungsvertreter*innen aus Afrika und Asien, die sich dem gemeinsamen Ziel verschrieben haben, KI-Governance zukunftssicher zu machen.
Was als Peer-Learning-Programm für politische Entscheidungsträger*innen aus Ghana, Indien, Kenia, Ruanda, Südafrika und Uganda begann, hat sich seit der Gründung in Kapstadt 2022 zu einem grenzübergreifenden Netzwerk entwickelt. Es fördert offene und verantwortungsvolle KI auf nationaler und globaler Ebene, dient als kollektive Stimme für afrikanische und asiatische Entscheidungsträger*innen und hat sich im Laufe der Jahre zu einem Expert*innenpool für KI entwickelt. Die teilnehmenden Länder waren sich daher einig: Diese Zusammenarbeit sollte nicht enden. Mit Indonesien als weiterem Mitglied wurde das Netzwerk noch vielfältiger – ein Beweis für die globale Relevanz von KI-Governance.
Naivasha 2024: Ein Meilenstein der Zusammenarbeit
Im Oktober 2024 versammelten sich 22 politische Entscheidungsträger*innen aus sieben Ländern in Naivasha, Kenia, um über drängende Fragen der Zeit zu diskutieren: Wie entwickeln sich KI-Politiken auf lokaler Ebene? Welche regulatorischen Rahmenbedingungen braucht es, um Innovation und Ethik in Einklang zu bringen? Und welche Voraussetzungen sind notwendig, um nationale KI-Strategien zu gestaltet? Außerdem befassten sie sich mit Beschaffungsrichtlinien, Bottom-up-Leitfäden für KI-Praktiker, Reifegradbewertungen und Governance-Rahmenwerken.
Ein zentrales Thema war auch die Balance zwischen Innovation und Regulierung. KI-Expert*innen machten deutlich, dass es keine Einheitslösung gibt: Während einige Länder auf prinzipien- oder rechtebasierte Ansätze setzen, bevorzugen andere risikoorientierte Rahmenwerke. Die im August 2024 veröffentlichte kontinentale KI-Strategie der Afrikanischen Union setzt sich dafür ein, dass KI zur Überbrückung von Entwicklungsdefiziten in der Landwirtschaft, im Gesundheitswesen und bei öffentlichen Dienstleistungen eingesetzt wird.
Generative KI: Potenziale und Herausforderungen
Auch über die Potenzial und Risiken von generativer KI wurde diskutiert. Während große Sprachmodelle wie GPT-x und Mistral weltweit dominanter werden, gab es starke Befürwortung für lokale Modelle wie InkubaLM, das speziell afrikanische Sprachen unterstützt und ressourcenschonend arbeitet.
Generative KI-Modelle können Sektoren wie das Gesundheits- und Bildungswesen revolutionieren, aber ihre Abhängigkeit von groß angelegten, ressourcenarmen Datenumgebungen birgt das Risiko, Vorurteile zu verewigen und die lokale Autonomie zu untergraben.
Brian Gichana, Experte für KI und Technologiepolitik
Paul Plantinga vom Human Sciences Research Council aus Südafrika betonte die Grenzen traditioneller KI-Audits:
Traditionelle Audits funktionieren nicht für generative KI. Wir brauchen ein integriertes Rahmenwerk, das sich mit Governance, Modellen und nachgelagerten Anwendungen befasst, um Transparenz und Rechenschaftspflicht zu gewährleisten.
Paul Plantinga, Human Sciences Research Council Südafrika
Rama Devi Lanka von der Regierung von Telangana, Indien, hob die Rolle lokaler Initiativen hervor: „Der Arbeitsausschuss für verantwortungsvolle KI in Telangana ist ein Beispiel dafür, wie Regierungen die Einführung von sicherer und inklusiver KI vorantreiben können, indem sie verantwortungsvollen Innovationen Priorität einräumen.“ (Rama Devi Lanka, Regierungsvertreterin Telangana)

Wie geht es weiter?
Das Africa-Asia AI Policymaker Network wird auch in Zukunft eine Vorreiterrolle spielen. Ziel ist es, die Zusammenarbeit weiter zu intensivieren – mit einem Fokus auf: Kapazitätsaufbau durch Schulungen und Trainings für politische Entscheidungsträger*innen, um KI-Kompetenzen zu stärken. Die Vernetzung zwischen Forschung, Industrie und Zivilgesellschaft soll ausgebaut werden, um ein starkes Ökosystem zu fördern. Durch diese Bemühungen gestaltet es eine Zukunft, in der gerechter Zugang zu KI-Technologie, Transparenz und nachhaltige Entwicklung in Afrika und Asien möglich werden.
Das Africa-Asia AI Policymaker Network wird von „FAIR Forward – Artificial Intelligence for All“ unterstützt, einem Projekt, das von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchgeführt wird.